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Kinostart von “Power to change” – Interview mit dem Regisseur Carl-A. Fechner 

© iStock / Getty Images

Kinostart von “Power to change” – Interview mit dem Regisseur Carl-A. Fechner 

„Wie kam es zu der Idee des Films?“

Unser erster Film über die Energiewende „Die 4. Revolution“ wurde in 28 Sprachen übersetzt und in 30 Ländern gezeigt. Der Film steht für die mitreißende Vision einer Energieversorgung, die zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien besteht. Nach dem Film wurden wir von Menschen aus aller Welt gefragt, wie geht denn die Energiewende konkret? Besonders viele Nachfragen kamen übrigens aus Japan. So entstand die Grundidee zu „Power to change“. Gleichzeitig ist in Deutschland seit einiger Zeit ein deutlicher politischer Widerstand gegen die Energiewende spürbar.

Man muss sich hier nur die Einschränkungen im novellierten EEG ansehen. Auf diese Weise wird der emanzipatorische Einsatz von Bürgern massiv beschränkt. Wir wollten hier ein Gegengewicht schaffen. Und zeigen welche Veränderungskraft in der Bevölkerung zu finden ist. So wurde relativ schnell klar, dass wir diesmal normale Menschen, sprich Menschen wie Du und ich in den Mittelpunkt stellen wollten. Und auch die These stand bereits früh fest. Die Energiewende ist in 10–15 Jahren möglich. Wir haben uns dann auf die Suche nach passenden Unterstützern gemacht. LichtBlick ist ja einer davon. Bei unserer Suche nach passenden Projekten haben wir uns rund 500 Projekte angesehen. 23 davon sind in den Film eingeflossen.

Carl-A. Fechner, Regisseur von Power to change

Carl-A. Fechner, Regisseur von Power to change

„Wie haben Sie die Protagonisten ausgewählt?“

Das war ein schwieriges und zeitintensives Unterfangen. Einerseits waren wir auf der Suche nach der passenden Mischung von Personen – Geschlecht, Alter, Herkunft sollte heterogen sein, Andererseits haben wir natürlich Menschen in den Mittelpunkt gestellt, die tragen, die glaubwürdig sind und die mit Leidenschaft bei der Sache sind und das auch transportieren. Ich bin davon überzeugt, dass uns diese Mischung in „Power to change“ gelungen ist.

„Was waren die größten Herausforderungen bei der Produktion von ‘Power to change’?“

Eine riesige Herausforderung war es sicherlich das Metathema des Films herauszukristallisieren. Ursprünglich hatten wir neben den Aufnahmen in Deutschland, auch einen Dreh in Japan geplant. Und dann wurde uns durch die zahlreichen Gespräche mit Protagonisten klar, dass wir eine Verbindung zwischen Energiewende und Frieden bzw. Demokratisierung ziehen müssen. Denn die Energiewende darf nicht nur technisch und ökonomisch betrachtet werden. Ihre Wirkung ist viel umwälzender und systemrelevanter. So entstand die Idee auch in der Ukraine zu drehen und Menschen zu Wort kommen zu lassen, die zeigen, dass 100 Prozent erneuerbare Energien auch erst ein demokratisches System und damit individuelle Freiheit ermöglichen können.

„Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach Kunst/Unterhaltung bei der Beschleunigung der Energiewende?“

Der Blick in die Geschichte zeigt, dass Filme eine immense Bedeutung bei der Förderung gesellschaftlicher Umbrüche haben können. Mich hat der Film Gandhi damals zum Beispiel sehr bewegt und das Ideal der Gewaltlosigkeit und des Pazifismus nachhaltig überzeugt. Filme schaffen es Menschen auf einer anderen Ebene zu erreichen. Sie berühren einen und bleiben lange haften. Mit „Power to change“ haben wir den Anspruch Zuschauer zum Mitmachen zu bewegen, weshalb wir den Film auch als Weltkino aufgezogen haben. So haben wir es geschafft, dass er bereits in 150 Städten gebucht wurde und auch in Cinemaxx und Cinestar-Sälen laufen wird.

„Warum haben Sie einen eher Spielfilm-anmutenden Stil gewählt?“

„Power to change“ soll Menschen ansprechen – und das als Dokumentarfilm. Wir haben mit ganz realen Menschen gedreht, denen kein Wort vorgegeben wurde. Die Gefühle, die im Film vorkommen sind hundertprozentig echt. Anders als bei klassischen Dokumentarfilmen war sicherlich die Bildgestaltung, der Schnitt und die Musik. All dies erinnert den Zuschauer an große Kinostreifen. Und genau das war unser Ziel. Denn das Thema Energierevolution hat es verdient als Weltkino aufgezogen zu werden. Nur so erreichen wir möglichst viele Menschen und lädt sie zum Mitmachen ein. Wir wollen ja auch die Menschen ins Kino holen und wachrütteln, die noch nicht überzeugt sind. Wir wollen sie zum Nachdenken über eine zukünftige Energieversorgung einladen und sie gleichzeitig emotional ansprechen und sie dazu bewegen Gutes zu tun.

„Welche Hürden gilt es aus Ihrer Sicht bei der Umstellung auf Erneuerbare in den kommenden Jahren zu bewältigen?“

Wir müssen dafür sorgen, dass das EEG reformiert wird – mit dem Ziel einer zu 100 % erneuerbaren und dezentralen Energieversorgung bis 2030. Die derzeitigen Vorhaben des Wirtschaftsministeriums laufen diesem Ziel krass zuwider.

„Was treibt die Protagonisten ihres Films an?“

Die Protagonisten sind davon beseelt, ihren individuellen Beitrag zur Lösung der großen Probleme unserer Zeit zu liefern. Sie sehen sich also in die Verantwortung genommen und haben sich entschieden, große Teile ihres privaten und beruflichen Lebens darauf auszurichten.

„Wenn sie eine politische Maßnahme zur Energiewende sofort entscheiden könnten – welche wäre das?“

Eine deutliche und nach außen unmissverständliche Reform des EEGs mit dem Ziel einer Bevorzugung dezentraler Elemente der Energiewende – das heißt: die Vereinfachung von Genehmigungsverfahren für Onshore-Windkraftanlagen mit entsprechender Erhöhung der Einspeisevergütung, der Ausbau der Biogasproduktion auf der Grundlage nachhaltiger Landwirtschaft, die deutliche Förderung des Ausbaus dezentraler Speichersysteme, die Dynamisierung der Wärmewende mit Erhöhung der diesbezüglichen Förderung, die Bevorzugung von energetischen Renovierungsmaßnahmen im Altbaubestand, deutlicher Ausbau von Hochleistungs-Ladestationen für Elektrofahrzeuge.