Aktuelles

Tag 12: Mit dem E-Motorrad durchs Atlas-Gebirge

© Michael Schehl / WWF

Tag 12: Mit dem E-Motorrad durchs Atlas-Gebirge

So hatte ich mir das vorgestellt: Kurz vor Marrakesch abgebogen und dann ab in die Berge, genauer gesagt das Atlas-Gebirge. Unser Ziel ist Ouarzazate, eine Wüstenstadt, die gerade boomt, weil in ihrer Umgebung die größte Solaranlage der Welt steht. Der Weg dahin lässt das Bikerherz höher schlagen. Kurvenreiche Strecke bis auf 3.000 Meter Höhe. Der Straßenbelag ist okay. Meistens jedenfalls. Im Dunkeln sollte man trotzdem nicht unbedingt fahren. Hin und wieder dann doch mal ein unerwartet tiefes Schlagloch. Und neben dem Straßenrand geht es steil bergab.

Wir sind unterwegs quer durch Marokko © Michael Schehl / WWF

Wir sind unterwegs quer durch Marokko © Michael Schehl / WWF

Hier zeigt die Zero, was sie kann. Ihre Reichweite ist deutlich höher, 200 Kilometer sind auf der bergigen Strecke durchaus drin. Ich hatte zu Anfang ein wenig das Schalten vermisst, aber eigentlich praktisch. Die Maschine reagiert sofort, permanentes Abbremsen und wieder Beschleunigen ist überhaupt kein Problem. Das Gerät dürfte benzinbetriebenen Motorrädern am Berg deutlich überlegen sein. Wir begegnen allerdings keinen, so dass wir das im Praxistest nicht überprüfen können. Einziger Wermutstropfen: Es ist halt doch noch reichlich Verkehr. Insbesondere die Lastwagen nerven, zumal man die marokkanische Fahrweise nicht unbedingt als defensiv bezeichnen kann…

Hinzu kommt eine Reihe von Baustellen und eine entsprechend verschmutze Fahrbahn. Einmal hat es mich fast vom Motorrad gerissen: Sand auf der Straße. Ich bin leicht ins Rutschen gekommen, es ist aber nochmal gut gegangen. Motorradfahren ist halt auch elektrisch gefährlich.

Schönes Atlas-Gebirge: Kakteen und schneebedeckte Berge © Michael Schehl / WWF

Schönes Atlas-Gebirge: Kakteen und schneebedeckte Berge © Michael Schehl / WWF

Die Landschaft: Ein Traum aus 1001 Nacht. Anfangs durch Nadelwälder, die ein wenig an den Schwarzwald denken lassen. Zwischendurch immer mal wieder Dörfchen entlang der Straße, deren Bewohner Bergkristalle, Fossilien und Tontöpfe anbieten. Ab und zu Obststände und selbst Metzger bieten ihre blutige Ware direkt am staubigen Straßenrand an. Vielleicht sollte ich doch Vegetarier werden.

Über der Baumgrenze dann nur noch Wüste und am Horizont schneebedeckte Gipfel. Inzwischen ist es auch wieder ziemlich kalt geworden, zumindest wenn die Sonne weg ist. Letzteres passiert in der Region um Ouarzazate aber eher selten: 3.000 Sonnenstunden im Jahr, viel mehr geht kaum. Genau das ist auch der Grund warum man den Ort mitten im Niemandsland für ein Mega-Solarprojekt gewählt hat. Obwohl erst ein Viertel der Anlage fertig gebaut ist, liefert es schon jetzt Energie für eine halbe Million Menschen. Morgen schauen wir uns das mal genauer an.

Unser Tour-Ziel Marrakesch ist nicht mehr weit entfernt (relativ) © Michael Schehl / WWF

Unser Tour-Ziel Marrakesch ist nicht mehr weit entfernt (relativ) © Michael Schehl / WWF