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Tag 13: Das Licht des Königs

© Michael Schehl / WWF

Tag 13: Das Licht des Königs

 

Wir übernachten 30 Kilometer entfernt von Ait Ben Haddou. Die Lehmbauten des Ortskerns gehören zum Weltkulturerbe der Menschheit. Der Ort am Rande des Atlas-Gebirges diente als Filmkulisse für „Gladiator“, „Jesus von Nazareth“ und war zuletzt Spielplatz für das „Game of Thrones“. Wir entscheiden uns trotz des malerischen Bergdorfs, das sicher super für Werbefotos für unser Zero DSR geeignet wäre, für ein Solarprojekt der Superlative in der Wüste: den „Complexe Noor Ouarzazate“. Als Kulisse für einen James Bond Film wäre die Anlage im Niemandsland sicher ebenfalls perfekt, fragt sich allerdings, ob James Bond überhaupt reingekommen wäre.

Wir schaffen es mit viel Zureden und Dank der Hilfe von Tarik Bourquouquou. Der Mann mit dem unaussprechlichen Namen bringt uns durch die streng bewachte Eingangsschleuse und überzeugt seinen Chef, uns sogar mit dem Motorrad auf das Gelände zu lassen. Alles ist hier gigantisch. Das Gelände ist so groß wie fast 5.000 Fußballfelder. Meine Motorradstiefel sind die ersten und vermutlich die einzigen, die jemals die Hallen von Noor betreten dürfen.

Noor ist arabisch und bedeutet Licht. Sehr passend, denn irgendwann ging den Marokkaner ein Licht auf. Das Land besitzt nahezu keine eigenen fossilen Rohstoffe und ist abhängig von Stromimporten. Um das zu ändern setzt man auf Sonne, Wind und Wasser und das dann gleich im ganz großen Stil. Der Komplex besteht aus vier Teilen. Der erste Noor 1 ging Anfang des Jahres ans Netz. Im kommenden Jahr sollen die anderen folgen.

Es handelt sich um ein Sonnenwärmekraftwerk. Gekrümmte Parabolspiegel soweit das Auge reicht. Die Spiegel erhitzen Rohrleitungen durch die ein Spezialöl geleitet wird, das sich auf fast 400 Grad aufheizt. Das heiße Öl fließt anschließend zu einem Wärmetauscher. Der dort erzeugte Wasserdampf treibt wiederum eine Turbine an und die erzeugt wiederum Strom. Der reicht schon jetzt für eine halbe Million Marokkaner. Ist die Anlage fertig, soll sie zwei Millionen Menschen versorgen.

Tarik, der uns die technischen Details erläutert, ist überzeugt von der Technik. Er hat früher in der Ölindustrie gearbeitet und setzt jetzt voll auf Erneuerbare. Sein Arbeitgeber die Betreiberfirma MASEN schmückt sich damit, dass Noor nicht nur Energie produziere, sondern die Region insgesamt voranbringe: Mehr als 2.000 Menschen arbeiten im Werk, Straßen wurden gebaut, das benachbarte Wüstenstädtchen Ouarzazate boomt. Auch das sind Argumente, die in einem Schwellenland wie Marokko zählen. Ausbauen möchte hier man auch den Tourismus und tatsächlich: In unserem Hotel treffen wir eine japanische Reisegruppe. Es gibt idyllischere Reiseziele. Um uns herum nichts als Geröll und Steine. Der Klimawandel hat in der Region schon knallhart zugeschlagen, die Älteren berichten, das in den Bergdörfern des Atlas-Gebirges in harten Wintern einst vier bis fünf Meter Schnee fielen. Inzwischen ist man schon froh, wenn einmal 40 Zentimeter herunterkommen. Wasserknappheit ist da vorprogrammiert. Ungemütliche Aussichten.

Eigentlich wollten wir die Akkus unseres Motorrades in Noor noch mit edlem Wüstenstrom aufladen, aber da die Hotels hier ja auch von dem Kraftwerk in der Nachbarschaft beliefert werden, können wir das ja dort erledigen. Und nach Marrakech zum Klimagipfel geht es ja ohnehin fast nur noch bergab.