Schätzungsweise 600 Millionen Menschen in Afrika haben keinen Zugang zu Elektrizität. Das Berliner Unternehmen Solarkiosk AG will das mit ändern. Mit intelligent konstruierten E-Hubs, die Strom aus Sonnenenergie erzeugen, könnten sich die Lebensbedingungen in ländlichen Gegenden entscheidend verbessern. Ladestationen für Mobiltelefone, Kühleinrichtungen und Computer sind nur einige der Einsatzmöglichkeiten.

Für uns Europäer ist ein Kiosk ein urbanes Symbol. Ein kleines Lädchen, in dem wir auf dem Arbeits- oder Heimweg, etwas zu Essen, eine kleine Erfrischung oder die Zeitung kaufen können. Ursprünglich stammt das Wort Kiosk aus dem Persischen und ist die Bezeichnung für ein Pavillon. Seinen internationalen Siegeszug startete der Kiosk, so wie wir ihn heute kennen,a zunächst in der Türkei. Über den französischen kiosque wurde nicht nur das Konzept, sondern auch der Name in ganz Europa bekannt und in fast allen Sprachen übernommen.  

Kleine Läden für Strom und Solarstromprodukte

Auch in Afrika ist der Kiosk angekommen. Und zwar nicht nur in den großen Städten, sondern auch in Gegenden, die fast gänzlich vom urbanen Leben abgeschnitten sind – in den entlegensten, ländlichen Regionen Kenias beispielsweise. Dort jedoch wurde das Konzept “Kiosk” noch einmal völlig neu interpretiert: Die “Solarkioske”, sind gerade dabei eine kleine Revolution auszulösen.

Dabei unterscheiden sich Solarkioske eigentlich kaum von unseren. Sie heißen streng genommen „E-Hubb„. Aber auch sie sind kleine Lädchen für Lebensmittel, kühle Getränke oder andere nützliche Dinge. Diese Waren sind jedoch nur zweitrangig: Das E-Hubb versorgt die Leute mit Strom – und das verändert alles. Denn in Afrika leben schätzungsweise 600 Millionen Menschen ohne einen Zugang zu Elektrizität.

© SOLARKIOSK AG
© SOLARKIOSK AG

Andreas Spieß: “Wer bei Nacht über Afrika hinweg fliegt, sieht, dass es ein dunkler Ort ist. Es gibt keinen Strom und somit auch kein Licht. Dabei ist das so absurd, denn tagsüber ist es der hellste Fleck, den man sich überhaupt nur vorstellen kann.”

Sonnenlicht einfangen und Strom gewinnen

Die Solarkioske sind eine Erfindung des Berliner Anwalts Andreas Spiess. 2011 ins Leben gerufen, setzt er sie nun mit seinen Teilhabern um, den Graft Architects. Die wiederum arbeiten durchaus auch mal ganz glamourös für Brad Pitt. Die Kioske sind laut Spieß Orte für „Kommunikation, Energie und Entwicklung“ und können  „eine nachhaltige wirtschaftliche und menschliche Entwicklung“ befördern. Die Verkaufsstellen sollen mehr liefern als saubere Energie – sie werden zu sozialen Zentren.

Aus Sonnenlicht Elektrizität gewinnen

“Wer bei Nacht über Afrika hinweg fliegt, sieht, dass es ein dunkler Ort ist. Es gibt keinen Strom und somit auch kein Licht. Dabei ist das so absurd, denn tagsüber ist es der hellste Fleck, den man sich überhaupt nur vorstellen kann. Es gibt so viel Sonnenlicht überall. Was wir mit unseren Solarkiosken möchten, ist: Das Sonnenlicht einfangen, es in Energie umwandeln und so Elektrizität und Licht bei Nacht in die ländlichen Orte bringen. Das ist das Konzept der Solarkioske”, erklärt Spieß.

Bloomberg New Energy Pioneer

Mindestens 300 Haushalte sollte ein Ort haben, damit er für einen E-Hubb in Frage kommt. Fehlende Infrastruktur darf kein Problem sein, daher sind sie so konstruiert, dass sie unkompliziert überall hingebracht und aufgebaut werden können. An 175 Orten in Äthiopien und Ruanda, Kenia, Tansania oder auch Ghana stehen sie bereits. Die Idee und die Umsetzung ist so gut, dass die Solarkiosk AG im Jahr 2014 mit dem ”Bloomberg New Energy Pioneer”-Preis 2016 ausgezeichnet wurden.

Sicher, robust, einfach und nachhaltig

Die Grundform eines E-Hubbs ist vorgegeben – ein “Frame”, wie es die Architekten nennen. Der Rest kann jedoch individuell ausgestaltet werden. Die Einzelteile werden mit dem Geländewagen angeliefert und sich leicht im Baukastenprinzip zusammen zu bauen. Weniger als drei Tage Arbeit sind dafür nötig, versprechen die Macher. Es ist sogar denkbar, dass ein solcher Kiosk nach und nach ausgebaut wird – bis so eine ganze Solarstation entsteht.

Lars Krückeberg: »Es ist sicher, robust, einfach, machbar und für jedermann nutzbar. Und es ist haltbar.«

© SOLARKIOSK AG

Strom für Kühlschränke und Mobiltelefone

Das Herzstück ist der Solarkioske sind die Solarpanel, die ein Batteriesystem speisen. Die gewonnene Energie wird vielfältig angewendet: Es liefert Strom für nützliche technische Geräte wie Kühlschränke, Kopierer oder Scanner. Gleichzeitig erlaubt es die Möglichkeit Mobiltelefone aufzuladen, Computer zu betreiben oder – und so einfach das klingt – einfach nur nachts Licht zu erzeugen.

Die Solarkioske werden aufgrund dieser Vielzahl von vorteilhaften Leistungen zum Treffpunkt für die Menschen in den ländlichen Gegenden, die bislang “Off-Grid”, vom Strom abgeschnitten, waren. Die Kioske sind außerdem Verkaufsstellen für weitere Solar-Haushaltsprodukte wie Lampe oder Radios, die es neben Lebensmitteln zu erwerben gibt.

Kiosk-Besitzer werden zu Solar-Unternehmern

Ein weiteres Prinzip: Die Betreiber der Solarkioske werden zu lokalen Unternehmern. Damit die Idee von der Bevölkerung vor Ort angenommen wird, suchen die Macher nach Menschen, die fest in der Region verwurzelt sind, wie ein Mitarbeiter erklärt: „Wir wollen, dass der Operator eine respektierte Person aus der Gemeinde ist.”

Die Verfügbarkeit von sauberer Energie sowie die Möglichkeit, auf umwelt- und gesundheitsschädliche Energieformen zu verzichten, ist tatsächlich eine kleine Revolution, die große Veränderungen bewirkt. Für uns ist Strom aus der Steckdose zur Selbstverständlichkeit geworden sind. Die Solarkioske sind eine Möglichkeit, Elektrizität Menschen zugänglich zu machen, die bislang nicht einmal davon geträumt haben.