Bild: © Merklit Mersha

Es scheint fast ein bisschen viel auf einmal: Eine Idee, die sich positiv auf Umwelt und Gesundheit auswirkt, soziale Vorteile hat – und auch noch Kunst ist. Schafft die kleine Solarlampe Little Sun wirklich all dies zugleich?

Little Sun wurde vom renommierten und vielfach ausgezeichneten Lichtkünstler Olafur Eliasson entworfen, der unter anderem mit seinem „Weather Project“ in der Londoner Tate Modern die Massen begeisterte. Gemeinsam mit dem Ingenieur Frederik Ottesen hat er die Solarleuchte umgesetzt.

Little Sun – das private Kraftwerk

Little Sun ist eigentlich nur ein kleines aufladbares Solar-Panel, das Strom erzeugt, wenn es in die Sonne gelegt wird. “Es ist ein kleines, privates Kraftwerk”, sagt Eliasson über seine eigene Kreation.

Nach fünf Stunden Sonneneinstrahlung kann Little Sun für vier bis 50 Stunden Licht erzeugen – je nach Helligkeitsstufe. Die Idee ist einfach – Solarleuchten sind ja nicht neu. Besonders macht Little Sun das Design und damit auch die Einsetzbarkeit. Die Lampe ist hübsch, universell einsetzbar und äußerst nützlich.

Der Zugang zu Strom verändert das Leben

Über eine Milliarde Menschen auf der Welt haben keinen Zugang zu Elektrizität, leben Off-Grid, vom Netz abgeschnitten. Wie sehr der Zugang zu Strom unser Leben beeinflusst, bemerkt man besonders deutlich, wenn es nach Sonnenuntergang plötzlich dunkel ist und kein Schalter per Knopfdruck einen Raum erleuchtet.

Die beiden Gründer von Little Sun: Frederik Ottesen (re.) und Olafur Eliasson © Little Sun
Die beiden Gründer von Little Sun: Frederik Ottesen (re.) und Olafur Eliasson © Little Sun

Saubere Energie für die Off-Grid-Regionen

In vielen Off-Grid Regionen werden Petroleumleuchten eingesetzt. Diese sind zwar in der Anschaffung relativ günstig, haben jedoch auch einige Nachteile: Sie sind schmutzig, gesundheitsschädlich und belasten die Umwelt.

Genau in diesen, vom Strom abgeschnittenen Regionen kommt die Stärke der kleinen Sonne zum Tragen: “Anstatt neben einer Petroleumlampe zu sitzen, haben die Leute so etwas, das sauberer und billiger als Petroleum ist und das sie so für die Innenbeleuchtung nutzen können”, erklärt Eliasson gegenüber ARTE.

Olafur Eliasson: »Ich wollte die Arbeit mit Licht nicht auf Museen und Ausstellungen begrenzen, sondern die ganze Welt einbeziehen.«

Solarstrom dort, wo die Sonne scheint

Die kleine Sonne wird vor allem dort verkauft, wo es keinen fließenden Strom gibt: in Simbabwe und Burkina Faso beispielsweise, in Äthiopien, Ghana und im Senegal – Regionen, die zu den ärmsten der Welt gehören. Das Geschäftsmodell von Eliasson und Ottesen ist genau für diesen Zusammenhang angepasst. Aktuell wird Little Sun in mehr als zehn afrikanischen Ländern vertrieben, aber auch in zahlreichen Industrienationen in Europa, Asien, Australien und Nordamerika. Die Preise für die Solarleuchten variieren je nach wirtschaftlicher Kaufkraft.

Das Robin-Hood-Geschäftmodell

„Auf einer meiner Afrika-Reisen habe ich sie einem Händler angeboten, der mir sagte, was ich schon wusste: Die Little Sun kostet das 10-fache einer Petroleumlampe“, sagt Eliasson. Doch mit der Zeit rechnet sich die kleine Solarlampe in Sonnenform. Als ihre größte Konkurrenten sehen die beiden Macher von Little Sun die Öl-Industrie. Deren Preise gelte es auf Dauer zu unterbieten.

Der Zugang zu Strom kann einerseits lebenswichtig sein. Auf der anderen Seite gibt er aber auch Macht – die Macht der Unabhängigkeit. “Ich kann tun, was ich will. Ich kann Hausaufgaben machen, ein Buch lesen. Es geht auch darum, wie es sich anfühlt mächtiger zu werden”, sagt Eliasson

Solar Charge – das Sortiment wächst

Der Erfolg gibt dem in Berlin ansässigen Unternehmen recht: Über 400.000 kleine Sonnen wurden bis Anfang Februar 2016 verkauft, etwa die Hälfte davon in Gegenden ohne Zugang zum Stromnetz. Seit Mai 2016 wurde das Portfolio um ein weiteres Produkt erweitert. Die “Little Sun Charge” ist eine mobile Solar-Ladestation, die beispielsweise für Mobiltelefone genutzt werden kann.

Die Baby-Sonne auf der Berlinale

Eliasson ist für sein Produkt schon mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden. Zuletzt bekam er den Crystal Award in Davos verliehen. Seine Little Sun hat er in zahlreichen Aktionen rund um den Globus präsentiert. Und im Rahmen der Berlinale 2017 stellt Eliasson eine Sonderedition vor: Die Baby Little Sun.

Nachts ein Buch lesen oder Hausfaufgaben machen ist unmöglich ohne eine Lichtquelle © Michael Tsegaye

Little Sun – die kleine Sonne will die Welt verbessern

Diese kleine charismatische Leuchte hat das Potenzial die Welt ein klein wenig besser zu machen. Sie erleichtert es Kindern, auch nach Sonnenuntergang zu lernen und auch Händlern, ihre Geschäfte abends länger offen zu halten. Sie kann umwelt- und gesundheitsschädliches Kerosin ersetzen. Diese Leuchte aus der Hand eines Künstlers kann wohl doch alles auf einmal.