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Tag 2: Brandenburg – Braunkohle vs. Erneuerbare

© Michael Schehl / WWF

Tag 2: Brandenburg – Braunkohle vs. Erneuerbare

Auf der ersten Etappe führt uns unsere Reise zum Klimagipfel erst einmal in die Lausitz zum Braunkohletagebau. Uns wird ziemlich schnell klar: Wenn wir in die Wüste wollen, müssen wir gar nicht nach Marokko. Einmal Lausitz reicht. Das Handy hat keinen Empfang und wer genauer hinschaut, entdeckt Geisterdörfer mit verlassenen Straßenzügen und Fabrikhallen, die seit Jahren leer stehen, bis vielleicht irgendwann doch der Bagger kommt.

Hundert Jahre Tagebau haben tiefe Spuren in der Landschaft hinterlassen. Eine Fläche von 90 Quadratkilometern wurde im Laufe der Jahrzehnte umgepflügt. Der Tagebau hat mehr als 130 Dörfer verschlungen. Klar ist, dass die Braunkohle keine Zukunft hat, doch noch wühlen sich die gewaltigen Maschinen wie der F60 immer tiefer in die Brandenburgische Landschaft. Die 60 steht für 60 Meter, die maximale Tiefe, mit der sich die Baggerschaufeln mit einem Schlag ins Erdreich graben.

Schwer vorherzusagen, wie lange der Abbau des Klimakillers Braunkohle weitergeht. Aktuell lohnt sich der Abbau betriebswirtschaftlich nicht. Doch die neuen tschechischen Besitzer setzen vermutlich darauf, dass ihr schmutziger Brennstoff nach dem Abschalten der letzten Kernkraftwerke in Deutschland wieder heiß begehrt sein könnte. Pokern auf hohem Niveau. Viele Anwohner halten dagegen und kämpfen für den Erhalt ihrer Dörfer. Die Energiewende macht auch vor der Lausitz nicht halt. Auf vielen Dächern blinken Photovoltaikanlagen. Die Bauern setzen auf Biogas und am Horizont sehen wir nicht nur die qualmenden Schlote von den Kraftwerken Jänschwalde und Schwarze Pumpe sondern vermehrt Windräder.

Die Windräder sind ein guter Wegweiser. Das nächste Ziel heißt: Feldheim. Und ich merke: Der November ist nicht der perfekte Monat zum Motorradfahren. Und auf der Autobahn die erste Überraschung. Nach 50-60 Kilometer mussten wir die Räder wechseln – bei 120 km/h auf der Autobahn verliert der Akku doch schnell an Power. Zum Glück haben wir zwei Elektromotorräder dabei. Dann aber direkt weiter nach Feldheim. Nachdem wir in Jänschwalde die dunkle Seite der Energieerzeugung gesehen haben – und uns gruseln durften –, lernen wir dort die Macher der Energiewende kennen.

Feldheim ist ein Dorf mit 110 Einwohnern und 50 riesigen Windkraftanlagen, dazu Solarenergie, Biogas und vor allem die größte Speicheranlage für Erneuerbare in Europa. Das ist schon sehr, sehr beeindruckend. Und die Menschen haben im wahrsten Sinne des Wortes richtig Power, die Energiewende voranzutreiben. Schnell wird uns klar: Klimaverhandlungen in Marokko oder auf anderen Klimakonferenzen haben direkt praktische Folgen in Deutschland. Und für uns ist wichtig, wenn wir beim Klimagipfel sind: Wir kommen nicht mit leeren Händen, sondern wir zeigen, dass Klimaschutz und Energiewende gehen. Ja, wir müssen uns anstrengen und es wird nicht einfach. Vor allem muss die Bundesregierung nachlegen, denn nur große Worte schwingen, bringt nichts. Und leider ist der Klimawandel immer noch schneller als die Politik. Feldheim ist ein tolles Beispiel, wie es gehen kann und vor allem das es geht!

Morgen steht das Thema Elektromobilität auf dem Plan. Ja, wir fahren elektrisch, doch wie sieht´s eigentlich mit dem Laden und der Ladetechnik aus. Unser Hotel heute Abend ist zum Beispiel nicht wirklich auf Elektrofahrzeuge eingestellt: Kabel aus dem Fenster erscheint uns nicht als die zukunftsweisende Technik.