Aktuelles

Tag 5: Atomausstieg auf Französisch

© Michael Schehl / WWF

Tag 5: Atomausstieg auf Französisch

 

Unser nächstes Ziel heißt Ludwigsburg. Hier wissen wir zumindest, dass wir unsere Maschinen mit Ökostrom wieder aufladen können – erster Stopp ist nämlich bei einem LichtBlick-Kunden.
Da wir gut in der Zeit liegen, gibt´s noch einen Kamerastopp vor dem Schloss: Darin die wohl edelste Stromtankstelle des Landes. Zwar eigentlich nur für E Fahrräder gedacht, aber mit unserer Zero wären wir locker klar gekommen. Machen wir jedoch nicht: Wir haben die Akkus ja schon mit feinstem Ökostrom geladen. Dann noch kurz an die Tankstelle, der linke Vorderreifen unsere Begleit-Bullis wirkt ein wenig schlapp. Kurz den Kompressor angesetzt und den Luftdruck auf 3,8 bar gepusht. Kein Problem – dachten wir: Doch dann fliegt uns das Ventil um die Ohren. Ungewollter Boxenstopp! Zum Glück haben wir noch einen Ersatzreifen dabei. Unser Kameramann Michael schafft den Reifenwechsel in rekordverdächtiger Zeit.

Weiter auf der Autobahn: Die Zero ist jetzt im Sportmodus und ab geht´s. Mit dieser Einstellung hat die Maschine richtig Power. Kostet aber auch mehr Energie. Bei Tempo 80 nochmal leicht am Gas gedreht und fast wären mir die Bioschlappen von den Füssen gerutscht. Ab Pforzheim dann heftiger Regen. Am Tag davor war es eisig, jetzt nass. Aber was soll´s – das Ziel heißt nun Frankreich: Liberté, Fraternité und Egalité.

Kurz vor der Grenze nieselt es nur noch leicht. Wir sind im Elsass, genauer gesagt in Fessenheim. Ja, das kennen wir vom Atomkraftwerk, besser gesagt Pannenkraftwerk Fessenheim. Wir fahren aber erst mal zu Lucien Jenny. Ein Atomkraftgegner der ersten Stunde und ein wirklicher Energiepionier, der sich seine erste Solaranlage schon 1979 auf Dach gesetzt hat. Marke Eigenbau. Ungefähr zur gleichen Zeit ging auch das älteste AKW Frankreichs, Fessenheim ans Netz. Der Kollektor läuft noch, der Reaktor hoffentlich nicht mehr lange
Lucien erklärt uns die Irrwege der französischen Atompolitik, die letztendlich auch wichtige Investitionen in den Aufbau eines nachhaltigen Energiesystems blockieren. Aktuell stehen 19 der 58 Meiler in Frankreich still. Die Gründe: Sicherheitsprobleme, gefälschte Zertifikate und jede Menge Skandale. Atomfilz auf vielen Ebenen!

Lucien setzt in seinem Haus nicht nur auf Photovoltaik und Holzpellets er fährt auch eine Zero S. Ein etwas kleineres Modell als unsere DSR. Seine Solarpergola – eine Markise über seiner Terrasse – produziert genug Strom, um mit dem Motorrad 30.000 Kilometer pro Jahr zurückzulegen. Macht er aber natürlich nicht. Wir auch nicht, aber ein paar Kilometer Richtung Marrakesch wollen wir heute doch noch schaffen. Lucien gibt uns noch ein paar Grüße und Karikaturen für die deutsche Umweltministerin mit, die wir in Marokko treffen wollen mit. Und ab geht es: der Sonne entgegen.