© Arnold Morascher

Seit über zwei Jahrzehnten forscht Martin Winter an Batterien. Der Professor aus Münster weiß, nur mit leistungsfähigen, günstigen und haltbaren Batterien wird die Energiewende gelingen. In seinem Batterieforschungszentrum MEET entwickelt er den Antrieb der Zukunft. Und bildet gleichzeitig Nachwuchswissenschaftler aus.

“Batteriezellen sind die Zukunft”, schrieb Martin Winter im Mai 2015 in einem Kommentar für den Berliner Tagesspiegel. In seinem Text erklärte er den Stand der Entwicklung, die Bedeutung und das Potenzial einer Technik, die schon vor über 200 Jahren erfunden wurde. Und Professor Martin Winter blickt in die Zukunft: Deutschland könne den Anschluss verpassen, mahnt er. Deutschland benötige eine nationale Zellproduktion.

Professor Martin Winter Portrait ©Judith Kraft
»Ohne eine nationale Zellproduktion könnte Deutschland nicht nur seinen Status als Autoland verlieren – auch die Wirtschaftskraft könnte erheblich leiden.«

Batterieforschungszentrum MEET in Münster

Martin Winter lehrt Physikalische Chemie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Er ist zudem wissenschaftlicher Leiter der “Münster Electrochemical Energy Technology” – kurz MEET.

Wenn Winter den Forschungs-stand und das Potenzial der Batterie erklärt, hören die Politiker, Unternehmer und Journalisten genau hin, denn in Deutschland gibt es kaum jemanden, der ähnliches Renommee besitzt.

»Wir sind auf einem guten Weg, doch es bedarf auch noch an Arbeit und Geduld.«

Die Batterie – das Herzstück der Elektromobilität

“Im Zeitalter der Elektromobilität werden die Batterie und damit ihr Herzstück, die Zelle, mindestens die gleiche Bedeutung erlangen, die ein Verbrennungsmotor heutzutage hat”, lautet seine Analyse. Er forscht seit über zwei Jahrzehnten mit elektrochemischer Energiespeicherung. „Sein Fokus liegt auf der Entwicklung neuer Materialien, Komponenten und Zelldesigns für Superkondensatoren und Lithium-Ionen-Batterien“, ist auf der WWU-Website zu lesen.

Eine Millionen Elektroautos sollen bis zum Jahr 2020 auf Deutschlands Straßen unterwegs sein – sechs Millionen im Jahr 2030. Formuliert hat dieses ehrgeizige Ziel die Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der Batterie käme dabei eine ganz besondere Bedeutung zu. Die Herstellung leistungsfähiger Batterien und die Schaffung einer Infrastruktur zum Laden der Batterien, wären die großen Herausforderungen, die es zu meistern gelte. Trotzdem sei das “machbar” versicherte die Kanzlerin und beruft sich auf Experteneinschätzungen, die auch Winter teilt. „Wir haben bereits sehr gute Erfolge in der Forschung erzielt.”

Batterieforschung: Reichweite, Haltbarkeit und Stabilität

Nickel, Mangan und Cobalt sind die Elemente, auf die er bei seiner Forschung setzt. Nickel bestimmt die Reichweite, Mangan soll die Batterie haltbar machen und Cobalt der Zelle Stabilität verschaffen. „In diesem Mischungsverhältnis liegt auf absehbare Zeit das größte Potenzial, da hier Erfolge zu erwarten sind.“ Er vermutet, dass schon in den kommenden Jahren Reichweiten von 250 Kilometern möglich sind, bei Kosten von etwa 5000 Euro pro Batterie.

»Wir sind auf der Suche nach neuen Materialien, die man heute noch gar nicht kennt.«

2° Campus und MEET

„Wir denken schon an die Generation, die erst nach 2020 kommt“, sagte er zu Auto Motor und Sport, „da sind wir zum Beispiel auf der Suche nach neuen Materialien, die man heute noch gar nicht kennt“, sagt Winter. Er denkt nicht nur an die kommende Generation, er gibt auch Nachwuchsforschern die Möglichkeit, sich auszuprobieren, selbst auf Ideen zu kommen. Bereits seit 2012 ist öffnet das MEET seine Pforten für den 2° Campus, einer Initiative des WWF Deutschland und der Bosch-Stiftung.

Der Wissenschaftsnachwuchs des "2° Campus" forscht bei MEET © Arnold Morascher
Der Wissenschaftsnachwuchs des "2° Campus" forscht bei MEET © Arnold Morascher

Labor und Werkbank der Energiewende

„Labor und Werkbank für die Energiewende“ nannte die nordrhein-westfälische Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung Svenja Schulze das MEET im Jahr 2012. Im Jahr 2009 gestartet, arbeiten hier heute etwa 150 Wissenschaftler aus verschiedenen Forschungsdisziplinen daran, die bestehenden Batterien für die Nutzung in stationären Energiespeichern und Elektrofahrzeugen zu verbessern.

Auszeichnungen für den Batterieforscher

Martin Winter hat für seine Arbeit bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten: den „IBA Technology Award 2015“ der International Battery Association sowie den „ECS Battery Division Research Award 2015“ der Electrochemical Society (ECS). Im November 2016 kam der “Braunschweiger Forschungspreis” hinzu.

Auch daran lässt sich der Wert und die Bedeutung seiner Arbeit und der Forschung des MEET für eine nachhaltige Zukunft ablesen. Aber Winter ist eben auch ein Mahner, der das große Ziel nicht aus den Augen verliere. “Ohne eine nationale Zellproduktion könnte Deutschland nicht nur seinen Status als Autoland verlieren – auch die Wirtschaftskraft könnte erheblich leiden”, lautet sein Plädoyer.

Auch interessant