Bild: flickr.com/photos/brusselsairport/, CC BY-SA 2.0

Die Abenteuerlust ist ihm ebenso in die Wiege gelegt wie der Sinn für Umweltschutz. Großvater Auguste Piccard flog mit einem Ballon als Erster in die Stratosphäre – ein Pionier in der Höhe, wo Flugzeuge weniger Kerosin verbrauchen. Vater Jacques Piccard reiste in ungeahnte Tiefen des Ozeans – und setzte ein Zeichen gegen die Entsorgung von Atommüll im Meer.

Bertrand Piccard schließlich ist ausgebildeter Psychiater, doch unbeirrbar in den Fußstapfen seiner Vorfahren unterwegs: 1999 bewältigte er zusammen mit Brian Jones die erste Non-Stop-Erdumrundung in einem Heißluftballon. Eine große Herausforderung bei diesem Abenteuer: der Treibstoff. Als der Schweizer nach zwanzig Tagen wieder auf der Erde war und nur noch 40 Kilo Flüssiggas von ursprünglich 3.700 übrig hatte, entstand die Idee für ein Projekt ohne fossilen Brennstoff: die erste Weltumrundung mit einem Solarflugzeug, der „Solar Impulse 2“.

„Ich will zeigen, dass man unglaubliche Dinge schaffen kann, allein mit der Kraft der Sonne“, sagte Piccard der FAS. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärte er seine Motivation so: „Es zeigt die Möglichkeiten im Kampf gegen den Klimawandel und erneuerbare Energien in der spektakulärsten Weise.“

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Die zwei Piloten Piccard und Borschberg übernehmen abwechselnd das Steuer des Flugzeugs

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Insgesamt über 17.000 Solarzellen sind im Solar Impulse 2 verbaut

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Das Flugzeug wird über vier Elektromotoren angetrieben

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Maximal 20 Minuten Schlaf am Stück während der längsten Etappe über fünf Tage und Nächte

Zwölf Etappen sind für das am 9. März 2015 in Abu Dhabi gestartete Abenteuer geplant. Umgesetzt werden sie von Piccard und seinem Partner André Borschberg. Die beiden übernehmen abwechselnd das Steuer des Flugzeugs mit vier Elektromotoren und über 17.000 Solarzellen, in das jeweils nur ein Abenteurer passt. Am Tag steigt die Solar Impulse 2 auf 8.500 Meter, nachts geht es im Sinkflug auf 1.500 Meter. Während der Etappen – die längste dauerte bisher fünf Tage und Nächte, sie führte von Japan nach Hawaii – schlafen die Piloten nie mehr als 20 Minuten am Stück. In Hawaii hat die Solar Impulse wegen überbeanspruchter Batterien zwar jetzt erstmal eine Pause bis April 2016 eingelegt- dann geht es aber über die USA und Europa zurück zum Ausgangspunkt nach Abu Dhabi.

Eine zentrale Aufgabe der Mannschaft am Boden sind während des Fluges zuverlässige Wettervorhersagen. Möglichst sonnig ist natürlich die Devise. Und: Gewitter sowie größere Turbulenzen auf jeden Fall vermeiden!   Kritikern, die Solarflugzeugen die Fähigkeit absprechen, viele Menschen zu transportieren, entgegnet Piccard: „Vor 111 Jahren hoben die Gebrüder Wright erstmals mit einem Fluggerät ab. Damals gab es auch viele Kritiker, die sagten: Das hat doch keine Zukunft.“ Dass Piccard ein Abenteurer mit Visionen ist, sieht man übrigens auch an seinem nächsten Projekt. Solar Impulse III, ein unbemanntes Solarflugzeug, soll in die Umlaufbahn steigen und etwa für Telekommunikation genutzt werden.

»Ich will zeigen, dass man unglaubliche Dinge schaffen kann, allein mit der Kraft der Sonne.«